Der Begriff des „Solidarischen Dorfes“

Landliebe-


Text aus: „WandelOasen


 

Der Begriff „Solidarisches Dorf“ lehnt sich an die Idee der Solidarischen Landwirtschaft und überträgt das Konzept von Für- und Miteinander (Solidarität1) auf Dörfer und Gemeinden.

Betriebe und Manufakturen eines Ortes werden von den Bürgern genossenschaftlich getragen, um deren Erhalt oder Neugründungen zu ermöglichen. Die Bürger übernehmen Verantwortung für die Gestaltung und Belebung ihrer regionalen Infrastruktur und Versorgung. Der Begriff „Dorf“ steht hierbei gleichermaßen für Gemeinden, Kleinstädte oder Stadtviertel. Gemeint ist stets die kleinste politische Zelle.

Ausgangspunkt für Überlegungen, Solidarische Dörfer ins Leben zu rufen, ist die zunehmende Landflucht und fortschreitende Verwaisung von Dörfern und ganzer Regionen. Die Abwanderung in die Städte haben zum Bankrott vieler Betriebe beigetragen. Handwerksstätten, Einzelhändler, Gaststätten und Hotels mussten schließen. Arztpraxen, Banken, Postagenturen sind verschwunden. Andererseits kann sich in vielen Städten eine wachsende Zahl Bürger kaum noch die Mieten für angemessenen Wohn- und Arbeitsraum leisten. Weder für Wohnungen, noch für familienfreundliche Häuser mit Garten, noch für günstig gelegene Ladenlokale. Darin liegt eine Chance.

Aber nicht nur das ist wesentlicher Impuls für das Konzept Solidarischer Dörfer. Der Sinn ist weitreichender. Das Leben an sich ist bestimmt vom Bedarf an Ressourcen. Angefangen mit ernähren, trinken und atmen, ist das Dasein ein Austausch und Kreislauf von Ressourcen. Des Einen Abfälle sind des Anderen Nährstoffe. Solche Partnerschaften entdecken wir überall in der Natur, im Zusammenleben von Pflanzen und Tieren. Es bilden sich Gemeinschaften artfremder Gattungen, die im Überleben miteinander kooperieren. Oft kann ein Lebewesen ohne die Anwesenheit eines anderen gar nicht existieren.

Was uns Menschen der westlichen Kultur verloren gegangen ist, was uns mit dem System des neoliberalen Kapitalismus geraubt wurde, ist eben dieses kooperative Zusammenleben, ist das Stammesgefühl, das gemeinsame Füreinander. Diesen solidarischen Geist gilt es spätestens dann wieder zu leben, wenn politische Krisen und Konflikte sich verschärfen und das System zusammenbricht. So weit müssen wir es nicht kommen lassen, um in der Not eines Krieges zu begreifen, dass es eben dieser Geist ist, der uns vor dem Schlimmsten bewahren kann. Spätestens dann gibt es ein Überleben des einzelnen nur noch, wenn er im Verbund miteinander kooperierender Menschen lebt, die untereinander Fähigkeiten und Ressourcen austauschen.

Die menschliche Kultur ist bei weitem komplexer, als das bei Tieren oder Pflanzen der Fall ist. Der Mensch ist ein schöpferisches Wesen und will seine Kreativität leben, seinem Sinn für die Schönheit der Natur Ausdruck verleihen. Um sich dieser Bestimmung hinzugeben, braucht er einen Lebensraum, in dem Frieden und Wohlergehen herrscht. Das lässt sich am besten garantieren, wenn dieser Lebensraum, das Solidarische Dorf, Verantwortung für die Versorgung mit Grundressourcen übernimmt. Das ist die Grundlage für einen fairen Tauschhandel, der im Wesentlichen darauf ausgerichtet ist, eine optimale Versorgung der kreativen Prozesse mit allen dafür notwendigen Ressourcen zu gewährleisten. So kann sich Kultur evolutionieren und der fördernde Zusammenhalt eines „Stammes“ unabhängig von jedem politischen System die Zeiten überdauern.

Würden nicht viel mehr Menschen und gerade Familien aufs Land zurückkehren, wenn es dort eine intakte Versorgung gäbe? Eine Infrastruktur, die ihren Alltags-Bedingungen und -Ansprüchen mehr als genügen kann?


1 Solidarisch Dt. Etymologisches Wörterbuch Gerhard Köbler: gemeinschaftlich, frz. solidaire, lat. in solido, im ganzen“, zu lat. solidus, „ganz, völlig, vollständig“.


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