„WandelOasen“ – Grundgedanken zur Selbstversorgung

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Grundgedanken zur Selbstversorgung


Wandel im kulturellen Bewusstsein vollzieht sich von unten: beginnt beim Einzelnen daheim, geht auf in der Nachbarschaft, vernetzt sich im Ort und verbindet sich mit anderen Regionen. An irgendeinem Punkt wird die kollektive Bewegung zum gesellschaftlichen Trend eines kulturellen Wandels. Wie das Wasser rinnt der Wandel erst in vielen kleinen Bächen, die sich dann mehr und mehr in einem Fluss vereinen und als Strom einer Bewegung den Ozean der Gesellschaft erreichen.
Mein Wunsch, und der vieler anderer ist, dass wir als Gesellschaft erfahren, welche Möglichkeiten tatsächlich bestehen, eine gesündere und gerechtere Welt zu gestalten. Projekte solchen Charakters ermutigen, machen Hoffnung, zeigen Auswege, eröffnen Chancen und vor allem tragen sie zu wahrhaftigem Frieden und echter Freiheit der Selbstbestimmung auf Erden bei.
Indem wir beginnen, schonend, nachhaltig und fair mit den Ressourcen und Rohstoffen der Erde umzugehen, vollziehen wir einen tiefgreifenden Wandel in Organisation und Lebensweise menschlicher Kultur. Die veralteten Handlungsweisen des neoliberalen Kapitalismus werden durch zeitgemäße und ökologisch zukunftsweisende Spielregeln ersetzt.
Die fortdauernden Recherchen aus der Sicht der Ökoligenz machen eines unmissverständlich deutlich: Es ist alles vorhanden, um JETZT einen postkapitalistischen Weg zu beschreiten. In den letzten Jahren ist zu beobachten, dass sich im verhärteten Gefüge etwas bewegt und das immer schneller. Zahlreiche, fast unbekannte Projekte, über die ich (im 2011 veröffentlichten Buch Jamilanda – die Ökoligente Lebensart)
schrieb, sind nunmehr populär geworden und in die Mitte der Gesellschaft gerückt. Vor allem ist die Bereitschaft gewachsen, etwas für den Wandel tun zu wollen, denn eine wachsende Anzahl Menschen begreift, dass die Beibehaltung des momentanen Weges in eine Katastrophe mündet. Allein dieser Umstand, dass Menschen auch hierzulande wieder in Erwägung ziehen, dass es zu Zusammenbruch oder gar zu einem größeren Krieg kommen könnte, lässt Menschen besinnen. Sie erkennen ihre Abhängigkeit und möchten diesen Zustand ändern, um sich in der Not selbst versorgen zu können, weder Hunger noch Erfrieren erleiden zu müssen. Sie wollen zur Abwendung eines globalen Kollaps ihren Beitrag unmittelbar leisten, suchen Inspiration und Anleitung, wie sie konkret, über ihren Haushalt und Alltag hinaus, den Wandel in ihrer Kommune beginnen können. Sie werden neugierig und wollen gleichtun, was andernorts bereits geschieht, um sanfte Nachhaltigkeit und selbstversorgende Maßnahmen in der Gesellschaft zu pflanzen.
Die Abhängigkeiten von industriellen Waren (die oft gesundheitsschädlich sind) können in jeder Kommune schrittweise überwunden werden, um eine nachhaltige Selbstversorgung mit lebensnotwendigen Ressourcen gedeihen zu lassen. Mit dem gemeinsamen Entschluss, natürliche Energiequellen zu nutzen und Rohstoff-Pflanzen auf den Äckern der Kommune anzubauen, beginnt ein kultureller Prozess, in
dem Menschen mit beherzten und visionären Projekten veranschaulichen:
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• wie eine echte dezentrale, regenerative Energiewende aussieht,
• wie gesunde Landwirtschaft vonstattengeht,
• wie intelligente Häuser gebaut werden,
• wie Kinder in freien Schulen kreativ unterrichtet werden,
• wie regionaler Handel lebhaft wird
• und vieles mehr.
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Geschieht die Umstellung auf Selbstversorgung und kulturelle Selbstbestimmung
in vielen Kommunen, bildet sich eine kreative Bürgerbewegung heran, die notwendige, ja sogar zwingende Veränderungen in Gesellschaft und Kultur an der Basis vollzieht. Eine solche „Wandel-Bewegung“ steht FÜR etwas ein. Ihr Wirken ist lösungsorientiert, ein kreativer Protest um wirtschaftliche und politische Fehlentwicklungen zu korrigieren. Die Ergebnisse dieses Prozesses schaffen überzeugende Argumente und begeistern mit bodenständigen, intelligenten Lösungen einer konkreten Vision. Eine Bürgerbewegung für das Gemeinwohl und dessen tatsächlichen Bedürfnisse. Solche pionierhaften Schritte braucht es, um dem Sehnen und Hoffen auf eine bessere Welt Nahrung zu geben, damit Begeisterung auch bei jenen entfacht, die bisher zum
Bestehenden keine Alternative kannten.
Wir haben es selbst in der Hand, unser Land und unsere Lebensweise zu gestalten. Das sollten wir schleunigst tun, denn was in der großen Politik läuft, widerspricht schlicht und einfach dem, was zeitgemäß und angemessen ist. Entgegen der landläufigen Auffassung, man könne eh nichts ändern, besteht jedoch die politisch verankerte Freiheit, sich in Kommunen selbst bestimmen zu dürfen. Das garantiert das im Grundgesetz verankerte Subsidiarität-Prinzip (Artikel 20, 23, 70, 72 GG). Im Kern sagt es aus: Was auf Bundes- oder Landesebene beschlossen wird, ist nicht zwingend bindend für die Kommune. Der Bürgermeister oder Ortsvorsteher und sein Team haben weitreichende Macht-Befugnisse zur Organisation und Gestaltung ihrer Kommunen. Der „Dorf-Rat“ entscheidet letztendlich, was dort tatsächlich geschieht und unterlassen wird. Ein kultureller Wandel geschieht an der Basis: auf der kommunalpolitischen Ebene, im Dorf, in der Kommune, im Stadtviertel.
Wo auch immer Menschen beschließen, neue Wege in ihrer Lebensweise zu beschreiten, bedarf es, jenseits der Wünsche und Gespräche über Visionen einer „Besseren Welt“, eines realistischen Planes zur Umsetzung solcher Ziele. Bei allen Betrachtungen darüber, was im Einzelnen geschehen sollte, um eine ökologische und solidarische
Gemeinwohl-Ökonomie zu formen, braucht es eine systematische Vorgehensweise
und klare Strukturen, innerhalb derer sich der Wandel vollziehen kann. Lasst uns ein Fundament in der alltäglichen Wirklichkeit gießen, auf dem wir die neue kulturelle Epoche errichten.
Wer Einsicht in die Notwendigkeit eines grundlegenden kulturellen Wandels gewonnen hat, ist bereit zu handeln, will etwas unternehmen.
Aber was? Wie kann ich beginnen? Was kann ich tun?
Konkrete Antworten drängen, die einen sanften Umbau des neoliberalen Systems vorantreiben, um die dunklen Zukunfts-Szenarien abzuwenden. Ein Plan ist erforderlich, mit dem sich die Bausteine einer ökologischen und solidarischen Infrastruktur installieren lassen.
Die Absicht dieses Handbuchs ist, die Entstehung selbstbestimmter, regionaler Zellen anzuregen, sie in konkrete Bahnen zu lenken und bestehende Bestrebungen mit praktischer Anleitung zu fördern. Auf diese Weise lassen sich Lebensräume entwickeln, in denen eine Gemeinwohl-Ökonomie und ein solidarisches Mit- und Füreinander
den Alltag bestimmen. Was im Keim in vielen Herzen bereits vorhanden
ist, will jetzt in der Welt sichtbar werden.